Gentechnologie
im Sport
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Gendoping Definition

Der Begriff „Gendoping“ kann in einem engeren und in einem weiten Sinn verwendet werden. Eng gefasst wird Gendoping als das Einschleusen von genetischem Material (DNA oder RNA) in eine Zelle, ein Organ oder einen Organismus definiert. Die Zuführung der DNA oder der RNA erfolgt durch den Missbrauch gen- und zelltherapeutischer Verfahren. In einem weiter gefassten Verständnis wird unter Gendoping auch eine gezielte Beeinflussung der Genaktivität durch andere Methoden verstanden (beispielsweise durch Einnahme/Verabreichung pharmakologischer Wirkstoffe).

Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) verwendete bis 2011 in ihrer Verbotsliste ausdrücklich das erweiterte Verständnis und definierte Gendoping als „die nichttherapeutische Anwendung von Zellen, Genen, Genelementen oder die Regulierung der Genexpression, welche die sportliche Leistungsfähigkeit erhöhen kann“. In der seit 01.01.2013 gültigen Neufassung der Verbotsliste werden unter dem Punkt Gendoping folgende Methoden zur möglichen Steigerung der sportlichen Leistung verboten:

1. Die Übertragung von Nukleinsäure-Polymeren oder Nukleinsäure-Analoga;
2. die Anwendung normaler oder genetisch veränderter Zellen.

Die Regulierung der Genexpression durch pharmakologische Substanzen entfällt in der Neufassung. Diese Entwicklung kann als eine Reaktion auf die oft kritisierte terminologische Unschärfe der Definition verstanden werden. So beeinflussen nämlich auch bereits lange bekannte Arzneistoffe wie beispielsweise anabole Steroidhormone die Genexpression in leistungsfördernder Art und Weise. Die Problematik einer trennscharfen Definition bleibt allerdings auch in der aktuell gültigen Fassung der WADA-Verbotsliste bestehen: streng genommen würde z.B. Blutdoping ebenfalls unter die Gendoping-Definition fallen, da auch hier die Anwendung von Zellen vorliegt.

Die Auflösung der Probleme einer Begriffsbestimmung „Gendoping“ scheint nicht in Sicht. Eine diesbezügliche Diskussion wird in Zukunft auch epigenetische Modifikationen der Genexpression, deren Erforschung noch in den Anfängen steckt, berücksichtigen müssen.